#1 Es ist zu spät! von Möri 04.02.2011 20:34

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Es ist zu spät![/size]

Der Schnee rieselte leise von den Wolken und die letzten wachen Eichhörnchen suchten sich einen warmen Schlafplatz in den Bäumen. Niemand war weit und breit zu sehen, außer meiner Familie und der Pfarrer.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mal meine geliebte Frau zu ihrer letzten Ruhestätte tragen muss. Wochenlang habe ich es verdrängt und wollte einfach nicht wahrhaben das es soweit gekommen ist. Doch nun steh ich hier, vor ihrem offenen Grab und muss einsehen, dass sie nie mehr zurück kommen wird. Simone ist Tod!

Ich starre auf ihren weißen Sarg und sehe noch immer ihr Gesicht vor mir, wie sie mich angelächelt hat, als wir uns das zweite mal das Jawort gaben. Damals habe ich ihr versprochen, sie nie mehr zu verletzten und sie zu lieben, bis das der Tod uns scheidet.
Beides ist leider eingetreten!

Wie konnte ich diese wunderbare Frau nur so verletzen und demütigen? Ich könnte mich selber dafür Ohrfeigen. Simone war doch immer meine große Liebe. Für sie wäre ich damals bei der Geiselnahme gestorben. Ich habe mich ohne zu zögern vor sie geworfen und dabei war es mir egal, ob mich jetzt Krämers Kugel tötet oder nicht, hauptsache Simone passiert nichts. Das war alles, was für mich zählte!
Durch dieses Schlüsselerlebnis bin ich aus meinem Frauenwahn aufgewacht und habe seit langem meine tiefen und starke Gefühle für Simone wieder gespürt.
Auch Simone hat sich durch die Geiselnahme verändert. Sie wurde langsam wieder zu der Frau, in die ich mich vor über 20 Jahren verliebt hatte. Seit langem sah ich wieder ihr strahlen in ihren braunen Rehaugen, und ich liebevollen Küsse zeigte mir, dass sie endlich wieder glücklich war mit mir.
Das einzige Problem, was noch zwischen uns stand, war mein unehelicher Sohn Ben, denn ich gemeinsam mit unserer Angestellten Nadja Roschinski hatte.
Nach der Geiselnahme, hatte ich mir fest vorgenommen, Simone die Wahrheit zu sagen, aber ich brachte es einfach nicht übers Herz, ihr wieder so weh zu tun und außerdem hatte ich wahnsinnige Angst, dass ich sie dadurch endgültig verliere. Das hätte ich niemals ertragen können und so schwieg ich weiter, bis Simone es durch Zufall aus einem Gespräch von Vanessa und mir erfuhr. Als ich sie vor der Tür stehen sah mit Tränen in den Augen, war ich davon überzeugt, dass sie mich nun zum Teufel jagt und mich aus ihrem Leben verbannt. Doch wie so oft im Leben, kam alles anders und wir kamen uns nach Simones Gefängnisaufenthalt wieder näher. Jedoch merkte ich, dass es nie mehr wie früher zwischen uns sein kann, dafür hatte ich einfach zu viel Vertrauen verspielt und sie zu sehr enttäuscht und verletzt habe.

Nach einige Zeit kam es erneut zum Bruch zwischen Simone und mir. Und das alles nur, weil sie meinen Traum von den Steinkamp Akarden, mit allen Mitteln verwirklichen wollte.
Natürlich war ich stolz darauf, das Simone so hinter mir Stand, aber ihre Methoden dieses Ziel zu erreichen konnte ich einfach nicht akzeptieren und so stellte ich mich auf die Seite von Vanessa und den Siedlungsbewohnern. Dabei verletzte ich Simone wieder und was folgte war ein bitterer Rosenkrieg.

Hätte ich damals gewusst, dass mir Simone etwa 2 Jahre später genommen wird, dann hätte ich niemals auf die erste Scheidung bestanden und in die zweite eingewilligt.
Während der ganzen Zeit habe ich nie aufgehört Simone zu lieben. Wenn ich nachts schlafen ging, war es Simones Gesicht, was ich als letztes vor meinen geistigen Auge sah.

Nach unserer ersten Scheidung habe ich mich in eine Beziehung mit Nadja gestürzt und mir eingeredet, dass ich sie liebe und mir ihr glücklicher bin als mit Simone.
Es stellte sich aber schnell heraus, für wen mein Herz wirklich schlug und am Tag der Generalprobe vom Love Crash, schliefen Simone und ich im Büro miteinander. Dabei spürte ich, dass auch sie noch Gefühle für mich hegte. Unser Liebesabenteuer blieb jedoch nicht unbeobachtet, und so verlange Annette von mir, Nadja von meinem Fehltritt zu erzählen.
Nachdem ich es nicht für nötig hielt Nadja davon zu berichten, erzählte es Annette ihr, wofür ich ihr im nachhinein sehr dankbar bin, weil Nadja mir mit ihrer Trennung die Augen öffnete und ich meine Gefühle für Simone wieder zuließ.

Nach dieser Erkenntnis kämpfe ich um mein Mönchen und stand ihr bei der drohenden Insolvenz von unserem Zentrum bei. Ich merkte Tag für Tag mehr wie sehr ich mich nach ihr gesehnt hatte und ich wagte einen Schritt, denn ich nie bereut habe, ich machte ihr erneut einen Heiratsantrag. Nach zwei mal ablehnen, konnte sich Simone nicht mehr wehren und wir heirateten in unserer alten Kapelle.
Wenn ich jetzt daran zurück denke, dann frag ich mich wirklich, wie es Simone geschafft hat mir nochmal eine Chance zu geben. Ich an ihrer Stelle hätte wohl nicht so viel Kraft gehabt, um über meinen Schatten zu springen. Bei dem Gedanken huschte Richard ein lächeln über die Lippen. Sie muss mich wirklich geliebt haben.

Der Beginn unser zweiten Ehe war wunderschön, wir verbrachten eine zärtliche und zugleich sehnsüchtige Hochzeitsnacht miteinander und ließen uns von Vanessa und Jenny unsere Verliebtheit nicht kaputt macht.
Doch auch dieses Gefühl des glücklich sein, verschwand leider viel zu schnell und Celine trat in Maximilians und somit auch in mein Leben.
Ich weiß bis heute nicht, was mich an ihr fasziniert hat. Wahrscheinlich wollte ich mir einfach nur - mal wieder - beweisen, dass ich auch andere Frauen außer Simone bekommen kann. Im Nachhinein hasse ich mich selber dafür, das ich Simone wieder verletzt habe und das aus dieser Beziehung mit Celine ein Kind entstand.

Früher habe ich mir immer viele Kinder mit Simone gewünscht, und was habe ich jetzt?
Zwei uneheliche Kinder von zwei verschiedenen Frauen, dass nenne ich mal eine Lebensbilanz.
Mit Simone hatte ich nur noch Vanessa, weil unsere anderen zwei Kinder sterben mussten.
Ich glaube, die Fehlgeburt von unserem ersten Kind hat uns abgestumpft und deswegen konnten wir und vorallem Simone, den Kindern selten zeigen, wie sehr wir die beiden eigentlich geliebt haben.

Während einer Beziehungspause mit Celine, schlief ich erneut mit Simone. Die Nacht mir ihr, spielt sich noch immer wie ein Film in meinem Kopf ab. Ich kann sogar noch ihre sanften Lippen auf meinen spüren und ihre Hand, die meine Brust streichelt. Gott, wie ich diese Frau liebe!
In den paar Minuten oder Stunden in denen wir uns so leidenschaftlich geliebt haben, waren wir uns so nah wie schon lange nicht mehr. Ich glaube sogar, dass man das knistern zwischen uns förmlich sehen konnte. Wenn ein außenstehender und so gesehen hätte, hätte er bestimmt nicht gedacht, dass Simone und ich wieder kurz vor der Scheidung standen.
Nach unserem Liebesspiel schickte Simone mich weg, ich glaube wie wollte sich einfach nicht eingestehen, dass wir beide uns immer noch lieben und füreinander geschaffen sind.

Die nächsten Tage versuchte ich unsere Ehe zu retten und kämpfte um ihre Liebe, doch nachdem sie erfuhr, das Celine ein Kind vom mir bekam war es für Simone endgültig zu viel und ich stimmte, ihr zuliebe, der Scheidung zu.

Nach der Scheidung ging jeder von uns seine Wege, ich kehrte dem Baby wegen zu Celine zurück und was Simone in dieser Zeit trieb, wusste ich gar nicht, da wir uns meistens nur im Zentrum trafen und selbst dort ging sie mir aus dem Weg.

Ich freute mich zwar, nochmal Vater zu werden, aber tief in meinem inneren wünschte ich, dass Simone mein Kind unter ihrem Herz trug und nicht Celine.

Simone und ich näherten uns erst wieder nach Jennys verschwinden an. Wir hofften beide das unser kleiner „Eisfloh“, wie ich Jenny früher immer nannte, wieder auftauchte.
Doch auch die Hoffnung wurde zerschlagen, als Simone mit Jennifers Urne zurück kam.

Dieser Moment verändert alles, aus der sonst so taffen und starken Simone Steinkamp, wurde eine trauernde Mutter, die nicht mehr wusste, wie ihr Leben weiter gehen sollte.
Auch ich trauerte um meine Tochter und wollte einfach nicht wahrhaben, dass sie nicht mehr zurück kam. Ich versuchte jedoch mein Schmerz zu unterdrücken, um für Simone und Vanessa stark zu sein und ihnen Halt zu geben.

Bei Simone hatte ich jedoch versagt!
Als ich nach der Firma nach Hause kam, lag mein Mönchen wie ein schlafender Engen auf Jennys Bett.
Zuerst war ich erleichtert, dass sie endlich etwas Ruhe fand und schlafend konnte, doch als ich näher zum Bett lief sah ich eine leere Dose auf groß – Schlaftabletten- stand.
Erst jetzt begriff ich, was in meiner Abwesenheit passiert war. Sofort rief ich nach Vanessa und schlug Simone dabei leicht auf die Wange, in der Hoffnung das sie dadurch wieder aufwacht, jedoch ohne Erfolg.
Vanessa kam ins Schlafzimmer und begriff sofort die Situation. Sie fühlte Simones Puls und rief den Krankenwagen an.

Nachdem der Krankenwagen an kam, fuhr ich zusammen mit Simone ins Krankenhaus und hielt während der Fahrt ihre Hand und entschuldigte mich immer wieder dafür, dass ich nicht bei ihr war und sie alleine gelassen habe.
Im Krankenhaus vernahm ich alles nur noch wie in Trance. Ich weiß nur noch, dass ich ungeduldig auf dem Flur auf einen Arzt wartete. Einige Minuten später, kam endlich ein Arzt aus dem OP-Bereich und lief mit gesenktem Blick auf mich zu. Was er mir dann sagt, war der Schock meines Lebens, und ich hörte ihm gar nicht mehr weiter zu, das einzige was immer wieder in meinem Kopf schallte, war folgender Satz „ Es tut mir wirklich leid, aber wir konnten ihrer Frau nicht mehr helfen. Sie ist an den Schlaftabletten gestorben.“

Noch immer jagt es mir eine Gänsehaut über den Körper, wenn ich daran denke.
Wenn ich nur 5 Minuten eher nach Hause gekommen wäre, würde Simone noch leben. Ich bin schuld daran, dass mein Mönchen starb. Ich kam einfach zu spät! Und nun stehen wir hier, vor ihrem Grab.
Während Richard noch einmal die letzten Jahre mit Simone Revue passieren ließ, hielt der Pfarrer eine Rede und Simones weißer Sarg wurde langsam runter gelassen.
Vanessa hatte sich an Richards Brust gekuschelt und weinte bitterlich. Richard hielt seine Tochter beschützend in seinem Arm und versuchte sie zu trösten.
Maximilian trat als erster an das Grab und nahm eine handvoll Blumen und ließ sie ins Grab gleiten.
Dabei sang er leise ein spanisches Lied. Vanessa löste sich von ihrem Vater und lief zu Maximilian und verabschiedete sich auch von ihrer Mutter.
Nachdem Vanessa und Maximilian wieder vom Grab zurück traten, lief Richard zum Grab und kniete sich in den Schnee.
Richard spürte, wie ihm die heißen Tränen über die Wange kullerten und er fasste sich schmerzlich an sein Herz. Er schluchzte leise auf und legte die Rose, die er für Simone mitgebracht hatte auf ihren Sarg. Danach küsste er seinen Ehering sanft und schaute auf Simones Grabstein. „Ich werde dich immer in meinem Herzen tragen und ich hoffe, dass du da oben nicht nur mit einem weinenden Augen auf unsere Ehe zurückblickst. Ich liebe dich nämlich Simone Steinkamp“ flüsterte er leise und stand wieder auf und lief zurück zu den Kindern.
Niemand von den dreien merkte, dass Friederike etwas entfernt hinter einem Baum stand und ebenfalls um ihre Tochter trauerte.

Langsam wurde der Sarg zugeschüttet und dabei lief das Lied von Elton John „Candle in the Wind.“
Vanessa hielt es nicht mehr aus und rannte mit schnellen Schritten davon. Maximilian nutzte die Gelegenheit und folgte seiner Schwester.
Nun kam auch Friederike aus ihrem Versteck hervor und stellte sich neben Richard.
Richard schaute zu seiner Ex-Schwiegermutter und wunderte sich, wo sie auf einmal herkam.
Als hätte Friederike seine Gedanken gelesen, antworte sie: Ich war die ganze Zeit schon hier, aber ich wollte euch nicht stören“ sagte sie mir schwacher Stimme und zitterte am ganzen Körper.
„Du hättest nicht gestört.“ flüsterte Richard und nahm seine sonst so verhasste Schwiegermutter in den Arm. Friederike war dankbar über diesen Halt und schluchzte wieder leise auf. Richard strich ihr beruhigend über den Rücken. „Simone freut sich sicher, dass du gekommen bist“. Friederike nickte und versuchte sich wieder zu beruhigen und löste sich von Richard, dabei fiel ihr Blick auf Richards Ehering.
Richard bemerkte das und schaute auch auf seinen Ring. „Ich habe Simone sehr geliebt und ich werde sie auch immer lieben.“. Friederike lächelte leicht, „Sie hat dich auch sehr geliebt“.
Richard lächelte erleichtert, weil er nicht mit so einer Antwort gerechnet hatte.
Danach holte er ein Bild von Simone aus seiner Jackentasche und streichelte ihr über das Gesicht.


- Erst wenn man die Person verloren hat, wird einem klar, wie wichtig sie einem wirklich war. Doch dann ist es oftmals schon zu spät -


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